Vögel - Magazin für Vogelbeobachtung
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Offshore-Windkraftanlagen und Basstölpel
21.02.2017

Basstölpel meiden Offshore-Windkraftanlagen nördlich von Helgoland. Das geht aus einer im JOURNAL OF ORNITHOLOGY 158 veröffentlichten Studie hervor. Der Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) berichtet.

Der Bau von Offshore-Windparks in der Nähe von Seevogelkolonien kann für die Vögel unterschiedliche Folgen haben, von erhöhtem Kollisionsrisiko bis hin zum Verlust von Nahrungsgründen und Lebensraum. Der Effekt hängt von verschiedenen Faktoren ab, z.B. von der Störungsempfindlichkeit verschiedener Arten oder auch Individuen innerhalb einer Art, die unterschiedliche Fluchtdistanzen oder Gewöhnungseffekte an veränderte Umweltbedingungen zeigen können.

Um die Auswirkungen von drei neuen Offshore-Windparks nordwestlich von Helgoland auf die Helgoländer Brutvögel zu untersuchen, hat das Büsumer Forschungs- und Technologiezentrum Westküste der Universität Kiel (FTZ) 2014 eine Studie durchgeführt, die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie finanziert wurde. Ziel der Studie war die Analyse der räumlichen Verteilung von Basstölpeln in der südlichen Nordsee. Mehrere kükenfütternde Altvögel der Helgoländer Brutkolonie wurden dazu mit GPS-Loggern besendert und die Daten über mehrere Wochen aufgezeichnet. Die Offshore-Windparks vor Helgoland befanden sich zu dieser Zeit noch im Bau, die Windräder waren aber großteils bereits aufgerichtet und im Probebetrieb.

Die Auswertung der Daten von drei Basstölpeln, die über einen Zeitraum von 4-9 Wochen aufgezeichnet werden konnten zeigen, dass die Vögel zur Nahrungssuche beträchtliche Strecken zurücklegten. So suchte eines der Tiere vor NW-Dänemark in über 300 km Entfernung von Helgoland nach Nahrung und war dafür über zwei Tage unterwegs. Die Nahrungsflüge der besenderten Basstölpel dauerten zwischen 40 Minuten und 53,5 Stunden, mit einer zurückgelegten Gesamtdistanz von knapp 5 – 940 km pro Flug und einer maximalen Entfernung vom Helgoländer Brutfelsen von 2 – 320 km.

Alle drei besenderten Tiere vermieden und umflogen während der Studie im Jahr 2014 den Bereich der Windparks während der gesamten Laufzeit der Logger. In den Jahren 2015 und 2016 wurde die Studie vom FTZ weitergeführt, unter anderem, um eine größere Stichprobe an Tieren zu untersuchen und um eventuelle Gewöhnungseffekte der Tiere an die Windparks zu überprüfen. Auch diesmal mied der Großteil der Vögel weiterhin die Windparks. Jedoch zeigte sich, dass einzelne Tiere die Windparks aufgesucht und teilweise dort auch Nahrung gesucht haben.
Das Meidungsverhalten deutet an, dass Basstölpel zwar nahezu nicht mit den Rotorblättern der Windkraftanlagen kollidieren, aber die Flächen der Offshore-Windparks als Teil ihres ursprünglichen Nahrungshabitats verloren gehen. Die Studien zeigen ebenfalls, dass sich GPS-Telemetrie gut dazu eignet, mögliche Windparkeffekte auf Vögel sowie individuelle Gewöhnungsprozesse der Tiere zu erkennen.

 
 
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