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Weissstörche: Bessere Ueberlebenschancen beim Ueberwintern in Europa
29.03.2017

Weißstörche, die in Europa überwintern, haben einer Studie zufolge bessere Überlebenschancen als solche die in Afrika überwintern.

Vom Menschen verursachte Umweltveränderungen und die globale Klimaerwärmung stellen die Anpassungsmöglichkeiten vieler Zugvögel auf die Probe. Für eine Reihe von Vogelarten hat sich in den letzten Jahren gezeigt, dass diese weiter nördlich und damit näher an ihren Brutgebieten überwintern, so auch der Weißstorch. Um mehr über dieses Phänomen herauszufinden, hat ein internationales Wissenschaftler-Team, u.a. vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell, GPS-Daten von insgesamt 54 jungen Weißstörchen derselben Brutpopulation analysiert und deren Überlebenswahrscheinlichkeit ermittelt sowie das Verhalten während des Winters studiert. Alle sechs der besenderten Störche, die ein Winterquartier in Europa wählten, überlebten. Bei den 48 in den traditionellen Gebieten in Afrika überwinternden Vögeln überlebten hingegen lediglich 38 %.

Während der Überwinterung konnten ebenfalls deutliche Unterschiede zwischen den Störchen in Europa und Afrika festgestellt werden. In Europa wurden nur kurze Strecken zurückgelegt und das Nahrungsgebiet umfasste einen kleineren Raum. Darüber hinaus wurde weniger Zeit im Flug und mehr Zeit mit der Rast verbracht – also mehr Energie eingespart. Da sich die Weißstörche in Europa auf Mülldeponien und in landwirtschaftlich genutzten Gegenden ernährten, war auch der Aufwand bei der Nahrungssuche geringer.
Bei den in Europa überwinternden Störchen handelte es sich um Jungvögel später Bruten, die erst spät aus dem Brutgebiet abzogen. Insgesamt kann jedoch nicht behauptet werden, dass spät flügge Jungvögel demnach eine höhere Überlebenswahrscheinlichkeit haben. Nicht alle späten Jungvögel verkürzten ihre Zugstrecken.
Die Wissenschaftler kommen in ihrer im Magazin "Animal Behaviour" veröffentlichten Studie angesichts der hohen Überlebensrate der Jungvögel zu dem Schluss, dass die Überwinterung in Europa insgesamt weniger kräftezehrend zu sein scheint, als der Zug bis nach Afrika. Die Erkenntnisse passen damit zu der allgemeinen Zunahme von Überwinterungen von Weißstörchen in Europa und verkürzter Zugwege im Rahmen ökologischer Veränderungen.  

Weitere Informationen:

  • Rotics et al. 2017: Wintering in Europe instead of Africa enhances juvenile survival in a long-distance migrant. Animal Behaviour 126: 79–88.

 
 
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