Vögel - Magazin für Vogelbeobachtung
Nachrichten
Gründe für den Lummensprung
29.03.2017

Warum sich noch nicht flugfähige junge Lummen von bis zu 40 Meter hohen Felsvorprüngen ins Meer oder auf steinigen Boden stürzen, versuchte ein Wissenschaftler-Team zu klären.

Auf Helgoland lässt sich im Juni in der Abenddämmerung an Deutschlands einzigem Brutplatz der Trottellumme ein beeindruckendes Schauspiel beobachten: Der sogenannte Lummensprung. Die etwa drei Wochen alten und noch flugunfähigen Jungtiere springen dabei von den bis zu 40 Meter hohen Felsvorsprüngen ins Meer bzw. vielfach auf den steinigen Boden vor den Felsen. Dank ihrer dicken Fettschicht überleben die meisten Jungvögel diesen Sturz, einige kommen jedoch auch dabei um. Doch warum gehen die Tiere dieses Risiko ein und verbleiben nicht in der Kolonie, bis sie ausreichend flugfähig sind?

Ein internationales Wissenschaftler-Team ist dieser Frage nun genauer auf den Grund gegangen und hat die Ergebnisse im Magazin "The American Naturalist" veröffentlicht. Bislang hatte man vermutet, dass die Lummen aufs offene Meer hinaus ziehen, sobald sie ausreichend groß und wehrhaft gegenüber Prädatoren sind. Dies scheint jedoch nicht der einzige Grund für das frühe Verlassen der Kolonien zu sein. Die Forscher fanden bei Studien in Kolonien auf Grönland und vor Neufundland heraus, dass die Jungvögel auf dem Meer fast doppelt so schnell wuchsen wie in der Kolonie. Die Sterberate war auf dem Meer und im Brutfelsen vergleichbar.

Anders als bei den meisten anderen Tierarten, kümmert sich bei den Trottellummen nur das Männchen um die fünf bis sieben Wochen dauernde Aufzucht auf dem Meer. Dabei verbringen die Männchen bis zu sechs Stunden pro Tag mit der Nahrungssuche unter Wasser, um ihr Jungtier ausreichend zu versorgen. Die Weibchen paaren sich hingegen während dieser Zeit in der Kolonie mit anderen Männchen, um einen potenziellen Partner für die folgende Brutsaison zu finden, sollte das alte Männchen nicht zur Kolonie zurückkehren. Mit der Nahrungssuche unter Wasser verbringen sie nur ein bis zwei Stunden pro Tag. Doch die Weibchen haben bis zu dieser Phase der Brutzeit bereits große Anstrengungen hinter sich. Die Sommer in der Arktis sind kurz, sodass die Weibchen zügig ein Ei produzieren müssen. Für die schlechten Flieger ist jeder Flug zwischen Nahrungsgrund und Kolonie kräftezehrend und Mitte des Sommers sind die Weibchen entsprechend erschöpft.

Weitere Informationen:

 
 
zurück zur Übersicht
 

 

Aktuelles Heft

Inhalt Bestellung
Online im aktuellen Heft blättern


vögel auf facebook und twitter


Vögel - Der Online-SHOP


Bild des Monats

Bekassine, Bild: Martin Hierck

 

   © 2017 dwj Verlags-GmbH    Impressum   Verlag   |   Produktion: www.querformat.info