Vögel - Magazin für Vogelbeobachtung
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Erster Nachweis einer Höckersamtente für Deutschland
10.04.2017

Der Dachverband Deutscher Avifaunisten melet eine erstaunliche Beobachtung: Wissenschaftler bestätigten auf der Ostsee eine Höckersamtente.

Bis vor wenigen Jahren waren Höckersamtenten nicht auf dem „Radar“ europäischer Vogelbeobachter. Die nah mit der in größerer Zahl auf Nord- und Ostsee überwinternden Samtente verwandte Art brütet in Nordostasien sowie in Alaska und Kanada. Neuerdings werden die asiatische Form „Kamtschatkasamtente“ (stejnegeri) und die amerikanische „Höckersamtente“ (deglandi) sogar von einigen Autoren als eigene Arten angesehen. Im Winter ziehen die Vögel entlang der ostasiatischen Küste nach Süden bis ins Japanische und Gelbe Meer bzw. überwintern entlang der Westküste der USA. Ein kleiner Teil der amerikanischen Population verbringt den Winter auch an der Ostküste südlich bis nach Florida.

Während einer Seevogelerfassung machte der Finne Margus Ellermaa am 16. Januar 2017 von einem Forschungsschiff mitten auf der Ostsee hunderte Fotos von Seevögeln. Erst bei der Sichtung seiner Aufnahmen am Abend entdeckte er neben acht Samtenten eine weitere, ungewöhnlich gefärbte Ente. Es kam der Verdacht auf eine Höckersamtente auf, doch erst im März fand eine weitere Beschäftigung mit diesem außergewöhnlichen Fund statt und weitere erfahrene Beobachter wurden zur Bestimmung herangezogen. Es bestätigte sich eindeutig, dass es sich um eine Höckersamtente handelte.

Der genaue Aufnahmeort befand sich zwischen der dänischen Insel Bornholm und Rügen. Aufgrund der Nähe zu Bornholm war der Entdecker anfangs davon ausgegangen, dass sich der Vogel in dänischen Gewässern befunden hatte und veröffentlichte seine Beobachtung in einem dänischen Internetforum. Dort wurde zwar die Bestimmung des Vogels bestätigt, der Beobachtungsort musste aber korrigiert werden: Rund 400 Meter jenseits der Grenze entstanden die Fotos eindeutig in der Ausschließlichen Wirtschaftszone der deutschen Ostsee im Bereich Adlergrund. Erstnachweis für Deutschland!

In der gesamten Westpaläarktis sind Höckersamtenten eine große Ausnahmeerscheinung. Zwar gelang der erste Nachweis bereits 1886 in Frankreich, doch folgten weitere erst ab den 1990er Jahren. Bis heute existieren rund 35 Nachweise. Die genaue Zahl lässt sich schwer ermitteln, da einzelne Vögel nachweislich selbst nach jahrelanger Abwesenheit an bekannte Orte zurückkehrten. Rund ein Drittel aller Nachweise in der Westpaläarktis entfällt auf Island. Dort wird erwartungsgemäß die amerikanische Form beobachtet. Viele weitere Nachweise, insbesondere in Skandinavien, betreffen aber die asiatische Kamtschatkasamtente. Mit der Anerkennung des Erstnachweises und der Zuordnung zu einer Form wird sich die Deutsche Avifaunistische Kommission intensiv beschäftigen. Der sehr auffällige Höcker auf dem Schnabel und der große weiße Augenfleck deuten stark auf die östliche Kamtschatkasamtente hin.

 
 
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