Vögel - Magazin für Vogelbeobachtung
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Tausende Kilometer für die Fortpflanzung
27.04.2017

Arktische Zugvögel nehmen jedes Jahr gewaltige Reisen auf sich, um von den Brut- in die Überwinterungsgebiete und wieder zurückzukommen. Doch männliche Graubruststrandläufer [Calidris melanotos] toppen diese Energieleistung noch.

Sie fliegen innerhalb der Arktis ebenfalls noch weitere tausende Kilometer, um sich möglichst oft verpaaren zu können. Die Art ist polygyn, die Männchen konkurrieren also heftig um die Weibchen und paaren sich möglichst mit mehreren von ihnen. Sie kümmern sich aber anschließend nicht um die Brut und Aufzucht, sondern überlassen dies allein den Weibchen.

Eine frühere Studie hatte bereits gezeigt, dass der Wettbewerb so heftig ist, dass die Männchen ihren Schlaf reduzieren müssen, um während des dauerhaft hellen Polartags in der Arktis rund um die Uhr um Weibchen zu buhlen und Rivalen zu bekämpfen. Am Ende schreiten dann nur wenige Männchen zur Fortpflanzung. Einige von den an einem Ort gescheiterten Männchen ziehendann allerdings weiter, wie Bart Kempenaers und Mihai Valcu vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen mit kleinen Satellitensendern nachgewiesen haben. Die große Mehrzahl der ausgestatteten Tiere war demnach äußerst nomadisch und flog bis weit in die kanadische und russische Arktis hinein, um dabei bis zu 24 Nistplatzorte zu besuchen – wobei sie teilweise nochmal 3000 Kilometer zusätzlich flogen.

„Wir denken, dass Fliegen für diese Tiere nicht sonderlich kräftezehrend ist“, so Kempenaers. Graubruststrandläufer sind auf Fortpflanzung offenbar optimiert. Voraussichtlich führt dieser Zug durch das Brutgebiet zu einem Bestand mit geringen genetischen Unterschieden und wenig Möglichkeit zu lokalen Anpassungen, aus denen irgendwann neue Arten hervorgehen könnten.

Nature, 10.1038/nature20813, 2017


 
 
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