Vögel - Magazin für Vogelbeobachtung
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Eisbären nehmen verstärkt Vogeleier
17.05.2017

Die Wissenschaftler schreiben es der Klimaerwärmung zu, dass Eisbären zunehmend Vogeleier als Nahrung aufnehmen. Die entsprechende Studie wurde jüngst veröffentlicht.

Wie ein Team des Norwegischen Polarinstituts herausfand, verschmähen Eisbären offenbar zunehmend Meerestiere und weichen auf Vogeleier als Nahrung aus. Die Wissenschaftler zeichneten die Bewegungen von 67 Eisbären und 60 Ringelrobben vor und nach einem unerwarteten Rückgang der Meereisfläche im Jahr 2006 auf, der die Küstenlinie von Spitzbergen veränderte. Grund scheint das Abschmelzen des Nordpols zu sein. Die Veränderung der Küstenlinie macht die Robbenjagd für den Prädator immer schwieriger. Einfacher sind da die Eier der arktischen Weißwangengänse zu erreichen.

Vor dem deutlichen Abschmelzen wurden bei beiden Geschlechtern und allen Altersklassen des Eisbären große Erfolgsquoten bei der Robbenjagd vom Eis aus festgestellt. Entlang der schmelzenden Küstenlinie waren die Bären anschließend jedoch gezwungen, sich den Robben häufiger schwimmend zu nähern. Diese vermutlich auch kräftezehrendere Jagdtechnik führte zu vielen Fehlversuchen, was die Eisbären wiederum auf der Suche nach alternativen Nahrungsquellen weit ins Inland ausweichen ließ. Die norwegischen Forscher, die die Ergebnisse ihrer Untersuchung nun im Journal of Animal Ecology veröffentlichten, registrierten bei den Bewegungsmustern der Bären häufig eine längere Aufenthaltszeit in der Nähe von Vogelkolonien, die darauf schließen lässt, dass Vogeleier zu dieser Zeit als Nahrung genutzt wurden. Auch wenn die Eier sicher keinen gleichwertigen Ersatz zu den erlegten Robben bildeten, so können sich die Bären damit vermutlich zumindest am Leben halten. Für die Vögel sind die Konsequenzen allerdings weitreichend: einzelne Kolonien dürften dadurch nahezu vollständig vernichtet worden sein.

Das Ausrauben von Nestern arktischer Gänse durch Eisbären bestätigen auch Ökologen der niederländischen Universität Groningen. Sie registrierten Gelegeverluste von bis zu 90%. Die durch den Klimawandel bedingte zunehmende Umstellung der Eisbären auf Eier als Ersatznahrung könnte negative Folgen für das gesamte Ökosystem haben. Auch die Bestände der Polarfüchse sind beispielsweise unmittelbar betroffen. Für sie stellen junge Gänse zeitweise eine wichtige Nahrungsquelle dar, die nun wegzufallen droht. Artübergreifende Studien zu den Auswirkungen des klimabedingten Abschmelzen des Meereises sind dringend nötig, um die Folgen für das gesamte Ökosystem der Arktis besser einschätzen und ggf. Maßnahmen ergreifen zu können.

Weitere Informationen

  • Hamilton et al. 2017: An Arctic predator-prey system in flux: climate change impacts on coastal space use by polar bears and ringed seals. J Anim Ecol. doi:10.1111/1365-2656.12685

 
 
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