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Klimaerwärmung: Einfluss auf Rötelfalken
30.06.2017

Wie sich die Klimaerwärmung auf den Bestand des Rötelfalken auswirkt, zeigt eine Studie von Morganti et al., über die der Dachverband Deutscher Avifaunisten berichtet.

Rötelfalken sind von Nordafrika über Südeuropa und den Mittleren Osten bis zum Baikalsee verbreitet. Optisch ähneln sie unseren Turmfalken, zeigen aber eine andere Brutbiologie und sind weitgehend Zugvögel, die in Afrika und auf der Arabischen Halbinsel überwintern. Zunehmend kommt es allerdings auch zu Überwinterungen in Südeuropa. Seit dem Jahr 2000 kam es unter anderem in Italien, Frankreich und Spanien zu einem Bestandsanstieg.

Inwiefern sich Klimaveränderungen auf die Verbreitung des Rötelfalken in Italien auswirken könnten, haben Wissenschaftler nun anhand verschiedener Klimamodelle getestet und ihre Ergebnisse im Journal of Avian Biology veröffentlicht. Die italienischen Rötelfalken-Kolonien finden sich vorwiegend im Süden des Landes, doch bereits seit einigen Jahren breitet sich die Art nach Norden aus, sodass mittlerweile auch zentrale und sogar nördliche Bereiche der Halbinsel besiedelt sind. Auch Winternachweise gelingen immer häufiger. Diese Entwicklungen werden mit der globalen Klimaerwärmung in Verbindung gebracht. Einerseits geht man davon aus, dass wärmeliebende Arten durch steigende Temperaturen (auch im Winter) profitieren könnten, andererseits könnten sich veränderte Niederschlagsregime auch negativ auf die Nahrungsverfügbarkeit auswirken.

Rötelfalken sind insbesondere in der Zeit von März bis Mai auf ein großes Insektenangebot angewiesen. Dieses ist nur gegeben, wenn ausreichend Niederschläge ein üppiges Pflanzenwachstum ermöglichen. Auch in der Zeit von August bis September, während der sich die Vögel für den Zug ins Winterquartier stärken, führt eine veränderte Nahrungssituation unweigerlich zu deutlichen Konsequenzen.

In ihrer Untersuchung modellierten die Forscher die Auswirkungen von Temperatur- und Niederschlagsveränderungen aus acht Klimaszenarien auf die Eignung als Brut- und Überwinterungsgebiet für Rötelfalken anhand der derzeitigen Verbreitung und klimatischen Bedingungen. Sie prognostizierten für pessimistische bis sehr pessimistische Klimaszenarien bis 2050 einen Verlust von 42% der geeigneten Brutgebiete in Italien. 66% der derzeitigen Kolonien wären davon betroffen und könnten demnach langfristig aufgegeben werden. Kurzfristig wäre allerdings eine weitere Expansion denkbar. Große Gebiete, die gemäß der Habitatmodellierung unter derzeitigen Bedingungen zur Brut geeignet wären, sind bislang nicht besiedelt. Darüber hinaus zeigte sich auch, dass ein deutlicher Anstieg der Wintertemperaturen ein Ausharren im Brutgebiet begünstigen würde. Bis auf eines sagten alle Szenarios eine Verschiebung der Brutgebiete um rund 40 Kilometer nach Norden bis zum Jahr 2050 vorher.

Auch wenn sich der Rötelfalke derzeit in Ausbreitung befindet, führen die Wissenschaftler vor Augen, dass der Schutz der italienischen Rötelfalken nicht vernachlässigt werden darf und Klimaveränderungen voraussichtlich zu deutlichen Veränderungen der Habitateignung führen werden. Insbesondere am südlichen Rand der Verbreitung droht durch Wüstenbildung die Aufgabe von Koloniestandorten. Neben der globalen Erwärmung müssen zudem weitere nicht-klimatische Faktoren bedacht werden, die sowohl zur Brutzeit als auch im Winterhalbjahr die Effekte der Klimaveränderungen abschwächen oder verstärken können.

Insgesamt erst wenige Male wurden Rötelfalken in Deutschland beobachtet. Allein in den letzten zwei Jahren gelangen aber mehrere Nachweise. Möglicherweise sind dies Auswirkungen der positiven Bestandsentwicklung in Südeuropa.

 
 
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