Vögel - Magazin für Vogelbeobachtung
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Kappenammer und Brillengrasmücke brüteten in Deutschland
14.08.2017

Laut Dachverband Deutscher Avifaunisten brütete 2017 ein Kappenammer-Pärchen erfolgreich in Baden-Württemberg, ein Brillengrasmücke-Pärchen in der Eifel.

In der Vogelwelt kommt es laufend zu Veränderungen von Arealen und Beständen. Einige Arten werden immer seltener, andere zeigen – oft dank intensiver Schutzmaßnahmen – positive Trends. Hin und wieder gelingen auch Brutnachweise von Arten, deren Hauptverbreitungsgebiete eigentlich hunderte Kilometer entfernt liegen. Es kann sich dabei um Einzelfälle oder Vorreiter einer Arealausweitung handeln. Die möglichen Ursachen sind vielfältig und meist kaum zu klären. In Deutschland gelangen 2017 zwei bemerkenswerte Brutnachweise von Arten, die vermutlich kaum jemand als potenzielle neue Brutvogelart auf der Rechnung hatte.

Kappenammern sind in Südosteuropa von Italien über Griechenland und die Türkei bis in den Iran verbreitet. Die nördlichsten Vorkommen liegen im Osten der Ukraine. In Deutschland ist die Kappenammer eine Ausnahmeerscheinung mit nur 13 Nachweisen seit 1977. Erstmalig wurde in der Nähe von Tübingen am 30. Mai 2017 ein singendes Kappenammer-Männchen festgestellt. Da es sich um ein sensibles Gebiet mit in Baden-Württemberg vom Aussterben bedrohten Brutvögeln handelte, wurde die Entdeckung intern gehalten und nicht veröffentlicht, um Störungen im Gebiet zu vermeiden. Während weiterer Beobachtungen in der Folgezeit stellte sich dann heraus, dass sich auch eine weibliche Kappenammer im Gebiet aufhielt und die beiden offenbar mit dem Nestbau beschäftigt waren. Von da an wurde das Verhalten der Vögel genau studiert und schließlich eine erfolgreiche Brut mit vier flüggen Jungvögeln dokumentiert. Im späten Stadium der Brut wurden durch die lokalen Gebietsbetreuer Führungen für Interessierte angeboten. Während der Zeit des Ausfliegens konnten so mehr als 100 Beobachterinnen und Beobachter die erste Brut der Kappenammer in Deutschland mit eigenen Augen verfolgen. Gesammelte Spenden kamen dem Landwirt zugute, auf dessen Acker die Ammern gebrütet haben. Seiner ökologischen Wirtschaftsweise ist es überhaupt zu verdanken, dass dort noch eine bemerkenswert hohe Dichte an Feldvögeln vorkommt. Es handelt sich um den ersten Brutnachweis der Kappenammer für Deutschland. Bemerkenswert ist auch die ebenfalls erste Brut für Ungarn im Sommer 2017.

Am 13. Juni 2017 sorgte die Entdeckung einer Brillengrasmücke im auf der Dreiborner Hochfläche im Nationalpark Eifel in Nordrhein-Westfalen für Aufsehen. Viele Beobachter konnten den über mehrere Wochen eifrig singenden Vogel beobachten, der mit der Zeit aber immer heimlicher wurde. Trotz fortwährender Beobachtung wurde erst am 13. Juli von zwei Beobachtern unabhängig von einander entdeckt, dass das Brillengrasmücken-Männchen offenbar einen Partner gefunden hatte. An diesem Tag konnten erstmals eben flügge Jungvögel fotografiert werden. Neben dem bereits am Entdeckungstag beringten Männchen wurden am 19. Juli schließlich sechs weibchenfarbige Brillengrasmücken gesehen und fotografisch belegt, wobei es sich dem Verhalten nach um das Weibchen und fünf flügge Jungvögel handelte. Drei der Jungvögel konnten gefangen und beringt werden. Dabei wurden auch DNA-Proben genommen, die letzte Sicherheit für eine artreine Brut geben sollen. Es handelt sich um den ersten deutschen und vierten mitteleuropäischen (nach drei Bruten in der Schweiz) Brutnachweis.

Die Verbreitung und Bestandsentwicklung aller übrigen Brutvogelarten Deutschlands ist im Atlas Deutscher Brutvogelarten (ADEBAR) wird bislang einmaliger Vollständigkeit auf rund 800 Seiten reich illustriert dargestellt und erläutert.

 
 
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