Vögel - Magazin für Vogelbeobachtung
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Erstmals Weissbauchtoelpel in Deutschland
29.08.2017

Laut Dachverband Deutscher Avifaunisten wurde am 20. August ein Weißbauchtoelpel im Raum Bentheim gesichtet.

Seevögel aus der Familie der Tölpel sind von der Arktis über die Tropen bis in die Subantarktis als Brutvögel vertreten. Hierzulande ist der Basstölpel seit den 1990er Jahren Brutvogel auf Helgoland. Der überwiegende Teil der Tölpel-Arten lebt hingegen in tropischen und subtropischen Klimazonen. So auch der Weißbauchtölpel, dessen nächste Brutkolonien auf den Kapverdischen Inseln und im Roten Meer liegen. Sein Zugverhalten ist bislang wenig erforscht, man weiß aber, dass Jungvögel und Nicht-Brüter teilweise weit umherfliegen, was Nachweise aus Spanien, Italien oder Irland belegen.

Am 20. August 2017 verbreitete sich eine Meldung schnell unter Vogelbeobachtern in ganz Europa: Bei Zugplanbeobachtungen im niederländischen Binnenland war um 8:10 Uhr ein Weißbauchtölpel zweifelsfrei fotografiert worden. Der Vogel flog in der Nähe von Utrecht entlang des Flusses Lek nach Osten – also in Richtung der deutschen Grenze. Genau drei Stunden später wurde er tatsächlich auf deutscher Seite entdeckt, an einer Sandabgrabung in der Grafschaft Bentheim. Für nur etwa fünf Minuten kreiste der Vogel über dem Gewässer, um dann nach Nordosten über die Baumwipfel zu verschwinden. Eine sicherlich unvergessliche Beobachtung für die beiden glücklichen Entdecker und erneut genug Zeit für eindeutige Belegaufnahmen. Doch die Geschichte ging noch weiter. Bremer Ornithologen bemerkten, dass eine Linie von Utrecht über den Beobachtungsort westlich von Lingen genau nach Bremen führt. Würde der Tölpel also Kurs halten, müsste er früher oder später auch Bremen streifen. Kaum zu glauben, würde es nicht erneut herrliche Fotos geben: 14:10 Uhr, Weißbauchtölpel an der Weser südlich von Bremen. Beobachtungsdauer leider wieder nur fünf Minuten, bevor der Vogel in nicht genauer bekannte Richtung weiter zog. An vielen Stellen in Norddeutschland machten sich spätestens jetzt die Beobachter zu einer sonntäglichen Exkursion an die nächsten Gewässer auf. Die Nachsuche blieb jedoch erfolglos. Wo der exotische Weißbauchtölpel sich seitdem aufhält ist völlig unklar. Denkbar ist einerseits eine Rückkehr in Richtung Küste, aber auch ein Flug weiter tief ins Binnenland.

Woher der Weißbauchtölpel stammt, ist unklar. Man kann aber wohl trotz der weit entfernten Brutgebiete von einem Wildvogel ausgehen. Aus europäischen Zoos sind keine Weißbauchtölpel bekannt und der mehrfach fotografierte Vogel in Deutschland und den Niederlanden zeigt keine Hinweise auf eine frühere Haltung in Gefangenschaft. Vorbehaltlich der Anerkennung durch die Deutsche Avifaunistische Kommission (DAK) ist es der erste Nachweis für Deutschland. Auch in den Niederlanden wurde die Art nie zuvor beobachtet.

Dass in der Vogelwelt offenbar nichts unmöglich ist, zeigt nicht nur der aktuelle Nachweis des Weißbauchtölpels in Norddeutschland. Im Jahr 2015 rieben sich Vogelkundler ungläubig die Augen, als Fotos eines Bulwersturmvogels von einem Badesee in Baden-Württemberg veröffentlicht wurden.

 
 
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