Vögel - Magazin für Vogelbeobachtung
Nachrichten
Hurrikane bedrohen seltene Vögel
18.10.2017

Am 6. September 2017 zog der Wirbelsturm "Irma" direkt über die Karibikinsel Barbuda: Dauerregen und Winde mit Geschwindigkeiten von bis zu 300 Kilometern pro Stunde verwüsteten das Eiland vollständig. Bilder zeigen zertrümmerte Häuser, umgestürzte Bäume und eine völlig entblätterte Vegetation. Die gesamte Bevölkerung wurde deshalb evakuiert. Neben den menschlichen Tragödien sorgten sich aber auch viele Inselbewohner und Ornithologen weltweit um das Schicksal eines kleinen grau-gelben Vogels, der einzigartig auf Barbuda vorkommt: der Barbudawaldsänger (Setophaga subita).

Angesichts der wenigen dramatischen Aufnahmen von der Insel und Satellitenbildern, die kaum grüne Pflanzen mehr erfassen konnten, hegten sie die Befürchtung, dass die Art extrem dezimiert oder sogar ausgerottet worden sein könnte.

Erste Fahrten auf die Insel nährten diese Sorge, denn während der Aufenthalte konnten keine Barbudawaldsänger beobachtet werden. Diese Exkursionen waren allerdings wegen der weiterhin katastrophalen Umstände nur sehr kurz und konnten nur einen kleinen Teil der Insel abdecken. Umso größer ist jetzt die Erleichterung, dass zumindest ein paar der kleinen Singvögel überlebt haben, wie BirdsCaribbean unter Berufung auf das Umweltministerium von Antigua & Barbuda meldet. Während einer eintägigen Beobachtungstour nach Barbuda entdeckten die Beteiligten mindestens acht Barbudawaldsänger, die durch Buschwerk hüpften. Da sich die Vögel vor allem von Insekten ernähren, befürchten die Experten zumindest keinen Nahrungsmangel: In zahlreichen Pfützen und Tümpeln wachsen zahllose Moskitos heran. Eine größere Gefahr stellen eher Katzen oder Hunde dar, die zurückgelassen wurden und nicht versorgt werden.

Glimpflich davon kam offensichtlich auch die Tierwelt auf den Bahamainseln, die ebenfalls von "Irma" und nachfolgend von "Maria" in Mitleidenschaft gezogen wurden. Erste Beobachtungen zeigen, dass mehrere bedrohte Vogelarten in größerer Zahl die Stürme überlebt haben und auch ihre Ökosysteme nur gering geschädigt wurden. Zudem seien laut dem Bahamas National Trust tausende Flamingos zu ihren Brutkolonien auf Inagua zurückgekehrt: Sie waren offensichtlich dem nahenden Sturm ausgewichen – im Gegensatz zu Artgenossen, die während "Maria" zu tausenden im benachbarten Kuba gestorben sind.
Zuvor war Hurrikan "Maria" mit seinem Auge über Dominica und Puerto Rico gezogen, wo extreme Schäden entstanden sind. Während auf der US-Insel die stark bedrohten Puerto-Rico-Amazonen zumindest in den sturmsicheren Zuchtanlagen und teilweise auch im Freiland überlebt haben, wie die American Bird Conservancy berichtet, ist die Situation auf Dominica völlig ungeklärt. Die dicht bewaldete Insel ist momentan weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten und angesichts von Chaos und Zerstörung können selbst lokale Ornithologen bis zum Redaktionsschluss nicht ins Inselinnere vordringen, um die beiden endemischen Papageienarten zu lokalisieren. Kritisch könnte die Lage des Nationalvogels von Dominica sein: Der Bestand der Kaiseramazone (Amazona imperialis) zählt nur wenige Tiere und wurde 1979 durch Hurrikan "David" bereits einmal fast völlig ausgelöscht.


 
 
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