Vögel - Magazin für Vogelbeobachtung
Nachrichten
Kranichzug über Bayern
09.11.2017

Der laut trompetende Zugvogel ist derzeit gut am südbayerischen Himmel zu beobachten, meldet der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV).

Auf ihrer neuen Route entlang des Alpenrandes nach Westen wurden am gestrigen Nachmittag und Abend über München, Augsburg und Neu-Ulm erste größere Trupps der ruffreudigen Zugvögel beobachtet. Der LBV erwartet deshalb in den kommenden Tagen weitere ziehende Kraniche am Himmel über Bayern. Wer in den Genuss dieses Herbstschauspiels kommen will, dem empfehlen die Naturschützer: Kopf hoch und Ohren aus dem Fenster! Die Großvögel ziehen mit einer Geschwindigkeit von 50 bis 70 km/h und sind für den Beobachter an ihrer V-förmigen Formation und den trompetenartigen Rufen leicht zu erkennen. Hundertausende Kraniche haben sich in den letzten Wochen auf den Weg in ihre Winterquartiere in Südwesteuropa und Nordafrika gemacht. Dabei überfliegen viele von ihnen seit wenigen Jahren auch Bayern. „Vor allem entlang der Flüsse Isar, Lech und Würm stehen die Chancen für Kranichbeobachtungen in den nächsten Tagen gut“, erklärt die bayerische Kranichexpertin Dr. Miriam Hansbauer. Diese noch junge südliche Alpenzugroute entlang der Donau nutzen osteuropäische Kraniche, die vom größten europäischen Rastplatz im Nationalpark Hortobágy in Ungarn kommen. Die ersten Trupps von rund 100 Tieren sind aber erst der Anfang: 2015 kamen allein von dort schätzungsweise 30.000 Vögel zu uns. „Die derzeit über Bayern zu beobachtenden Kraniche kommen über den baltisch-ungarischen Zugweg von Ungarn über Österreich, queren Südbayern in west-südwestlicher Richtung und fliegen weiter entlang der Alpen, um schließlich in der Camargue zu rasten“, weiß Hansbauer. Warum sich diese neue Zugroute so etabliert hat, ist nicht eindeutig zu erklären und hängt mit vielen Faktoren zusammen. Ein entscheidender ist, dass Kraniche sehr flexibel sind und keine genetisch fixierten Zugrouten vererbt werden. Von Experten wird außerdem angenommen, dass eine allgemeine Ausdehnung des Brutareals sowie der Klimawandel maßgeblich Einfluss nehmen. „Es ist inzwischen bekannt, dass erfahrene Altvögel Informationen über Zugrouten weitergeben und somit andere Kraniche dazu veranlassen können, mit ihnen auf neuen Wegen zu ziehen“, so die Kranichexpertin. Kraniche orientieren sich bei ihrem Zug an Landmarken wie Flüssen und Berggipfeln. Sie ziehen bevorzugt bei Hochdruckwetter, da sie dann von den östlichen Winden mitgetragen werden und dadurch Kraft sparen können. Die kräftigen und erfahrenen Tiere fliegen an der Spitze, gefolgt von Familien mit durchschnittlich zwei Jungtieren. Bei günstigen Flugbedingungen können die bis 1,30 Meter großen Tiere ohne Halt bis nach Südeuropa fliegen. „Die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, dass dabei zwischen Mitte Oktober und Mitte November die meisten Kraniche durch Bayern ziehen“, sagt Hansbauer. Dass es wieder Kraniche über Bayern zu sehen gibt, ist jahrzehntelangen Schutzbemühungen zu verdanken, durch die sich die Bestände in ganz Europa erholt haben. So ist der in vielen Ländern als „Glücksvogel“ verehrte Vogel heute auch in Bayern wieder mit mindestens 13 Brutpaaren vertreten, die meisten davon in der Oberpfalz.

 
 
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