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Vögel - Magazin für Vogelbeobachtung
Nachrichten
Naturbefreit
12.08.2019

Der deutsche Garten muss vor allem eines sein – gepflegt. Und um das zu erreichen, bietet der Handel allerhand Hilfsmittel an. Wie wir meinen, sind die aber ziemlich naturfern.



Der deutsche Garten muss vor allem eines sein – gepflegt. Und um das zu erreichen, bietet der Handel allerhand Hilfsmittel an. Wie wir meinen, sind die aber ziemlich naturfern.



Leise summt der Mähroboter über den Rasen, dessen Grashalme es kaum schaffen, länger als 3 cm zu werden. Der Rasen ist schön grün, weich, wie ein Teppich. Nicht einmal ein Gäseblümchen hat da eine Chance, einmal eine Blüte herhauszuschieben. Lange vorher ist schon der Mähroboter über die Fläche gebrummt – summ, summ. Für die Insekten ist zu hoffen, dass wenigstens ein paar im Frühjahr blühende Strächer den grünen Teppich begrenzen. Allerdings findet sich immer auch noch einmal ein Garten, in dem Latsche und allerhand Zypressen- und Wacholderarten für Grün sorgen. Nutzlos allerdings für Vögel, weil diese mit diesen fremdländischen Arten oftmals gar nichts anfangen können, weder als Brutplatz geschweige denn als Nahrungsquelle. Sicher, sie sind pflegeleicht, wenn sie sich erst einmal ausgebreitet haben. Dann muss man kein Unkräutchen mehr drunter hervor jäten.

Zum ökologischen Super-Gau werden manche gärten aber erst in den jüngsten Jahren. Die Autorin Martina Meckelein brachte es jüngst auf den Punkt: „Der teutonische Vorgarten entwickelt sich zunehmend zu einem riesigen Baustofflager. In ihm sorgen Splitt, Schotter und bunter Rindenmulch – akkurat durch Betonrandsteine und verzinkte Beetkanten in ihre Schranken verwiesen – für Geradlinigkeit. Die wiederum erleichtert dem Mähroboter mit vierfacher Schnitthöhenverstellung die unfallfreie Fahrt über den zwei Quadratmeter großen Kunstrasen.“ Da hat sie wohl recht, die Natur ist damit aus dem Garten endgültig verschwunden.

Blühende Kräuter schaffen es nicht durch Abdeckfließ und Schotterschüttung. Für Insekten und Vögel gibt es hier NICHTS zum Leben. Biene und Hummel sind weg, damit die Vögel. Dem Baumarkt sei Dank, der hat sein Geschäft gemacht.

Der Biologe Ulf Soltau hat auf Facebook die Seite „Gärten des Grauens“ eingerichtet. Die Seite sei „der Versuch, mit Mitteln des Humors und der Satire die konfektionierten Gartenwelten der Baumärkte, Discounter und GaLa-Bauer gesellschaftlich unmöglich zu machen". Fotos sollen die pittoresken Garten-Ungeheuer“ dokumentieren. Zu betrachten sind mehr als 50 Nuancen von Grau; anthrazitfarbene Straßenzüge in Neubaugebieten ohne eine einzige Pflanze. Mit blauen Glassteinen nachempfundene Swimmingpools. Mittendrin als Solitär: rotlackierte Strauchskelette. Kieselsteine breiten sich wie Angstschreie aus.

Für Artenvielfalt sorgen metallene Schmetterlinge auf überlangen Spießen, Plaste-Igel oder grellbunt bemalte Beton-Pflanzen. Basteln ist sein zweites Hobby und das Internet ist voller putziger Anleitungen. Frei nach dem Motto „Beton - es kommt drauf an, was man draus macht“, modelliert zum Beispiel „Glitzer Else“ mittels Nylonstrümpfen ausgesprochen naturhaft wirkende Maronen-Röhrlinge und niedliche Hasenpopos, deren weiße Blumen sich keck in den Himmel strecken. Ordnung und Sauberkeit lassen Eigenheimbesitzer zu Schottergärtnern werden. Diese zu erhalten, brauen sie selbst Herbizide.

Deren Bestandteile sind in jeder Küche zu finden: Wasser, Salz, Essigessenz und Spülmittel. Auf YouTube dokumentieren die Saubermänner das zweitätige Absterben des Löwenzahns und Sauerampfers durch ihr selbsthergestelltes Unkraut-Ex und werden dafür von Ihren Followern enthusiastisch gefeiert.



 
 
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