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Vögel - Magazin für Vogelbeobachtung
Nachrichten
Düfte als Orientierungshilfe für Tauben
12.10.2020

Einige Vogelarten nutzen Gerüche zur Orientierung. Über deren chemische Zusammensetzung war bisher wenig bekannt. Ein internationales Team von Wissenschaftlern hat nun über der Toskana organische Verbindungen identifiziert, die dort regional unterschiedlich auftreten. Brieftauben könnten die Duftstoffe demnach für ihre Navigation verwenden.

Basierend auf Untersuchungen in der italienischen Toskana haben Forscher der Max-Planck-Institute für Chemie in Mainz und für Verhaltensbiologie in Radolfzell sowie der Universitäten Konstanz, Pisa und Mainz nun regionale Karten für Duftstoffe erstellt und nachgewiesen, dass es regionale chemische Unterschiede in der Luft gibt. Die Duftstoffe stammen aus dem Meer, der Vegetation an Land oder sind menschlichen Ursprungs.

Mehrere Monate lang führten die Forscher 2017/2018 in der Toskana Messungen durch, bei denen sie eine Reihe flüchtiger organischer Verbindungen in der Umgebungsluft der Heimatvoliere von Tauben aufspüren konnten. Zusätzliche Messungen wurden in ausgewählten, regionalen Waldgebieten und in der Luft durchgeführt. Dabei flogen die Wissenschaftler mit einem Ultraleichtflugzeug in 180 Metern Höhe – der durchschnittlichen Flughöhe von Tauben. Anschließend kombinierten die Wissenschaftler die Daten mit GPS-Daten frei fliegender Vögel.

Einige dieser chemischen Verbindungen wie der Piniengeruch stammen von Nadelbäumen, andere aus dem Meer, und wieder andere werden von Fabriken ausgestoßen. Aus ihren Messungen konnten die Forscher regionale Karten erstellen, die die organischen Verbindungen mit Windrichtung und -geschwindigkeit verknüpfen. Daraus erzeugten sie dreidimensionale chemische Konzentrationsverläufe der organischen Verbindungen, die die Grundlage einer Duftkarte bilden könnten.

„Ornithologen aus Deutschland und Italien haben in mehr als 40 Jahren Forschung bewiesen, dass Tauben Gerüche in der Luft nutzen, um nach Hause zu navigieren“, erklärt Nora Zannoni, Postdoktorandin am Max-Planck-Institut für Chemie und Erstautorin der Studie. So ist bekannt, dass Brieftauben eine innere Geruchskarte erstellen, die auf der Verteilung von Umweltdüften basiert. Diese innere Karte besteht aus Gerüchen, die die Vögel während ihres Aufenthalts in der heimischen Voliere über mehrere Monate hinweg wahrgenommen haben. Anhand dieses inneren Kompasses navigieren sie von einem für sie unbekannten Ort wieder zurück zur Heimatvoliere.

Foto: MPI für Verhaltensbiologie

 
 
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