Akzeptieren

Wir verwenden Cookies um verschiedene Servicedienste anzubieten und diese laufend für Sie zu verbessern. Informationen dazu finden Sie in der Datenschutzerklärung.

Mit der Nutzung unserer Internetseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden.

Vögel - Magazin für Vogelbeobachtung
Nachrichten
Neue Schweizer Rote Liste
14.10.2021

Nach 2010 hat die Schweizer Vogelwarte die Rote Liste der gefährdeten Brutvogelarten im Auftrag des Bundesamts für Umwelt BAFU revidiert. 40 Prozent der 205 beurteilten Vogelarten wurden auf die Rote Liste gesetzt.

Für die neue Liste wurden die Daten bis 2019 verwendet, wobei die Grundlagen für die Aktualisierung deutlich besser waren als noch vor zehn Jahren. Das liegt vor allem an den Daten aus dem „Schweizer Brutvogelatlas 2013 – 2016“. Aber auch die Überwachungsprojekte und Auswertemethoden für einzelne Arten wurden weiter verbessert.

Immer noch 40 Prozent gefährdet

Seit 2010 sind sechs Brutvogelarten neu evaluiert worden: Moorente, Silberreiher, Mornellregenpfeifer, Schlangenadler, Zistensänger und Weißbartgrasmücke. Sie werden heute nicht mehr als ausnahmsweise brütend (mit höchstens drei Brutnachweisen) taxiert. Von den 205 Vogelarten wurden 60 Prozent nicht der Roten Liste der gefährdeten Brutvogelarten zugeordnet. Davon sind 41 Arten (20 Prozent) der Kategorie potenziell gefährdet und 80 Arten der Kategorie nicht gefährdet zugewiesen. 83 Arten (40 Prozent) wurden auf die Rote Liste der gefährdeten Brutvogelarten gesetzt – gleich viele wie 2010. Davon war ein Drittel in der Schweiz aber immer selten. Betrachtet man den Anteil der Vogelarten der Roten Liste nach Lebensräumen, ist der Anteil der gefährdeten Arten im Kulturland und in den Feuchtgebieten deutlich höher als im Wald oder in alpinen Lebensräumen. Das weist auf akute Probleme für die Bewohner der Landwirtschafts- und der Feuchtgebiete hin und auch darauf, dass der Wald dank dem naturnahen Waldbau, dem gestiegenen Totholzanteil und dem Flächenschutz eine relativ gute ökologische Qualität hat.

Mehrere Arten mit höherer Gefährdung seit 2010

Bei 42 der 205 Arten (20 Prozent) änderte sich die Einstufung gegenüber 2010. 25 Arten wurden in eine höhere Kategorie eingestuft. Bei 20 Arten basiert die neue Kategorie auf einem Bestandsrückgang. Besonders auffällig ist dies bei der Wachtel, die 2010 noch als nicht gefährdet eingestuft war. Auch bei der Turteltaube ist der Rückgang so stark, dass sie  gleich um zwei Kategorien höher eingestuft werden musste. Grauspecht, Neuntöter, Feldlerche, Gelbspötter, Rauchschwalbe, Gartengrasmücke, Grauschnäpper und Grauammer zeigten bereits 2010 Rückgänge. Besonders die ungebremst negative Bestandsentwicklung der früher allgegenwärtigen Feldlerche ist besorgniserregend. Die meisten dieser Arten bewohnen strukturreiches Kulturland und leiden unter anderem an der immer intensiveren landwirtschaftlichen Nutzung.

Auch einige Waldvögel haben Probleme, wie fünf Arten mit einer höheren Einstufung seit 2010 illustrieren: Raufußkauz, Habicht, Grauspecht, Gartengrasmücke und Zitronenzeisig. Bei diesen Arten spielen unter anderem das Fällen von Höhlenbäumen und Altholzbeständen, immer mehr Forstarbeiten zur Brutzeit, die Abnahme lichter oder beweideter Wälder sowie die Eutrophierung der Waldböden eine wichtige Rolle. Bei den Feuchtgebietsbewohnern macht besonders der Rückgang des Haubentauchers Sorge. Bei den alpinen Lebensräumen ist vor allem der Bestandsrückgang des Schneesperlings bedenklich, denn die Schweiz beherbergt rund 15 Prozent des europäischen Bestands!

Die 17 Arten, die tiefer eingestuft werden konnten, lassen sich in drei Gruppen einteilen: Fünf Arten zeigen eine klare Bestandszunahme (Gänsesäger, Waldohreule, Uhu, Bienenfresser, Dohle). Bei sieben Arten hat sich der Rückgang verlangsamt oder ist der Trend leicht positiv, der Bestand aber nach wie vor klein. Darunter befindet sich der Kiebitz, für den intensive Fördermaßnahmen laufen. Bei fünf Arten ist die tiefere Einstufung auf die verminderte Gefährdung in Europa zurückzuführen (z. B. Weissstorch, Steinadler).

Externe Einflüsse können rasch dazu führen, dass die Gefährdung von Arten zunimmt, wie das Beispiel des Wanderfalken zeigt. Er war 2010 noch als potenziell gefährdet eingestuft worden, gilt nun aber als verletzlich. Dieser Art setzen vor allem illegale Verfolgung und zunehmende Störungen an den Brutplätzen zu.

Wie die differenzierte Analyse der Listen von 2010 und 2021 zeigt, hat sich die Gefährdungssituation der Brutvögel insgesamt weiter verschlechtert. Betroffen sind insbesondere Arten der Landwirtschafts- und Feuchtgebiete. Auch der Vergleich der Roten Liste mit den Nachbarländern weist auf die vergleichsweise starke Gefährdungssituation der Schweizer Brutvögel in diesen Gebieten hin.

Immer mehr potenziell gefährdete Arten seit 2001

Der Anteil der Arten auf der Roten Liste hat sich von 2001 über 2010 und bis 2021 mit 40 Prozent insgesamt nicht verändert. Deutlich gestiegen zwischen 2001 und 2021 ist der Anteil der potenziell gefährdeten Arten, nämlich von 12 auf 20 Prozent, was auf den Rückgang ihrer Bestände zurückzuführen ist. Die Gefährdung der Schweizer Brutvögel hat somit leicht zugenommen. Der Handlungsbedarf bleibt also groß. Die wichtigsten Punkte hat die Vogelwarte nach der Publikation des Brutvogelatlas 2013 bis 2016 im sogenannten 11-Punkte-Plan zusammengestellt. Dank gezielter Förderung steigen die Bestände bedrohter Arten wie Kiebitz, Wiedehopf und Steinkauz wieder an. Die Vogelwarte und ihre Partnerorganisationen beweisen tagtäglich, wie nötig und wirksam Naturschutzarbeit ist.

Rote Liste

Die Rote Liste 2021 kann ab Herbst in drei Sprachen von der BAFU-Homepage heruntergeladen werden: www.bafu.admin.ch/rotelisten; es gibt keine gedruckte Fassung. Die Vogelwarte wird zudem einen Hintergrundbericht (auf Deutsch) mit der artweisen Begründung der Einstufung zusammenstellen: www.vogelwarte.ch/de/projekte/lagebeurteilung/lagebeurteilung-vogel-schweiz.


 
 
zurück zur Übersicht
 

 

Aktuelles Heft

Inhalt Bestellung
Online im aktuellen Heft bl�ttern

vögel auf facebook und twitter


Vögel - Der Online-SHOP


Bild des Monats

 

   © 2021 dwj Verlags-GmbH    Impressum   Datenschutz   Verlag   |   Produktion: www.querformat.info